100 Jahre Tambourkorps Hengsbeck – das bedeutet 100 Jahre Musik, Gemeinschaft und Vereinsleben mitten im Herzen der Gemeinde Eslohe. Was 1925 eine Handvoll musikbegeisterter Menschen begann, ist bis heute ein fester Bestandteil des dörflichen Lebens geblieben. Diese Chronik erzählt die Geschichte des Vereins von seinen Anfängen bis in die Gegenwart.

Die Gründerjahre (1925–1937)

Gründungsmitglieder 1925
Gründungsmitglieder 1925

Im Jahr 1925 hatten einige Bewohner des kleinen Ortes Hengsbeck eine große Idee. Die Musiker Ferdinand Müller, Josef Molitor, Franz Winkelmann sowie Josef und Anton Krämer gründeten das Tambourkorps Hengsbeck. Vorbild war die „Knüppelmusik“ im nahegelegenen Kückelheim, deren Klänge sie gehört und an der sie Gefallen gefunden hatten. Ferdinand Müller wurde zum ersten Vorsitzenden ernannt.

Der Anfang war kein leichter Weg, denn Geld stand nicht zur Verfügung. Von Idealismus getrieben sammelten die Gründer für die ersten Trommeln und Flöten, und schon bald konnten kleine Volkslieder gespielt werden. Nach und nach kamen neue Mitglieder hinzu, und die Anschaffung weiterer, teurer Instrumente wurde unumgänglich. Um das nötige Geld einzunehmen, entschlossen sich die Mitglieder, ein Fest mit Verlosung zu veranstalten. Nach Gewinnspenden fragten sie bei Gönnern, Geschäften und Landwirten. Zusammen kamen Enten und Hühner, allerlei nützliche Gegenstände und als Hauptgewinn sogar ein Schwein. 500 Lose wurden per Hand geschrieben, jedes zum Wert von 0,50 Reichsmark. Das Fest fand am 7. Oktober 1928 in der Werkstatt des Schreinermeisters Kaspar Böhmer in Bremscheid statt und war sehr gut besucht. Vom Reingewinn von 520 Reichsmark konnten eine neue Pauke, Becken, zwei Trommeln und vier Flöten angeschafft werden. Noch im folgenden Winter erhielt der Verein zudem erstmals Uniformen: Zuvor war bei Auftritten lediglich eine blaue Schirmmütze Pflicht gewesen, nun fertigte Schneidermeister Josef Henke aus Dorlar die jägergrünen Uniformen mit blauem Kragen und blauen Aufschlägen.

Im Jahr 1929 nahm das Tambourkorps an seinem ersten Wettstreit teil – der Erfolg blieb zunächst noch aus, doch die Mitglieder nutzten die Gelegenheit, um sich einiges bei den anderen Vereinen abzuschauen. Durch eifriges Üben stellten sich in den folgenden Jahren gute Ergebnisse ein. Am 28. April 1931 richtete der Verein selbst einen Wettstreit in der Schützenhalle Eslohe aus, bei dem 14 Vereine begrüßt werden konnten.

Krieg und Neubeginn (1939–1949)

Festzug 1935
Festzug 1935

Während des Zweiten Weltkriegs musste der Spielbetrieb eingestellt werden. Der letzte Auftritt der Vorkriegsbesetzung fand am 15. August 1937 auf dem Feuerwehrfest in Cobbenrode statt. Knapp die Hälfte der Mitglieder kehrte nicht nach Hause zurück – ein tiefer Einschnitt in der jungen Vereinsgeschichte.

Im Oktober 1949 starteten die Gründungsmitglieder Ferdinand Müller und Josef Krämer einen Aufruf, das Tambourkorps weiterzuführen. Viele junge Hengsbecker und junge Leute aus der Umgebung fanden zusammen und probten von nun an gemeinsam. Eine Anekdote aus dieser Zeit gilt als Initialzündung für den Neubeginn: Als die Kinder nach dem Krieg beim Fußballspielen die Tore absteckten, tauchte plötzlich ein alter Tambourstab als Torpfosten auf. Er hatte dem letzten Tambourmajor vor der Auflösung des Vereins gehört, der ihn vermutlich versteckt hatte – und war nun, wenn auch zweckentfremdet, wieder da.

Aufbaujahre und Schützenfeste (1950er–1960er)

Tambourkorps Hengsbeck in den 1960er Jahren
Tambourkorps Hengsbeck in den 1960er Jahren

Am 12. März 1950 fand die erste Generalversammlung nach dem Krieg statt. Bereits in den 1950er Jahren spielte das Tambourkorps zum ersten Mal auf den Schützenfesten in Cobbenrode, Eslohe, Reiste, Wenholthausen und Bremke – Festen, bei denen die Hengsbecker Musiker bis heute im Festzug spielen.

Das Schützenfest sollte zu einer Herzenssache des Vereins werden. Von 1950 bis 1959 veranstaltete das Tambourkorps alljährlich ein Kinderschützenfest in Beulen Scheune. Das erste Kinderschützenfest in Hengsbeck gab es aber wohl schon 1888/89. Seit 1961 gibt es neben dem Kindervogelschießen auch ein Königsschießen für Erwachsene mit großem Umzug durch den Ort – erster Schützenkönig war Otto Dünnebacke. Seit 1975 gehört zudem das Frauenschützenfest im Rahmen der Nachfeier fest dazu.

Von „Fliegenschissen“ zu Noten (1974–1995)

Tambourkorps Hengsbeck in den 1970er Jahren
Tambourkorps Hengsbeck in den 1970er Jahren

Ein wichtiger Schritt in der musikalischen Entwicklung war der Beitritt zum Volksmusikerbund im Jahr 1974. Im Jahr darauf, am 20. September 1975, feierte der Verein sein 50-jähriges Bestehen in der Esloher Schützenhalle, wozu 22 befreundete Musikvereine und Spielmannszüge anreisten. Bei seiner Ansprache sagte der damalige erste Vorsitzende Theo Bremke sen.: „Möge der Rückblick Verpflichtung für uns alle sein, auch in Zukunft junge Menschen der Musik zuzuführen.“

Diesem Leitsatz folgte der Verein konsequent. Die Ausbilder Theo Bremke sen., Manfred Krämer und Fritz Pape besuchten mehrere Lehrgänge des Volksmusikerbundes, um die Jugendausbildung zu professionalisieren. 1976 begann die Ausbildung einer besonders großen Jugendgruppe mit 35 Jugendlichen – erstmals waren auch Mädchen dabei. Von nun an spielten die Hengsbecker nach echten Noten und nicht mehr nach den „Fliegenschissen“, jenen aneinandergereihten Punkten, die den Flötisten helfen, den richtigen Griff zu finden. 1979 wurden die jungen Leute nach abgeschlossener Ausbildung offiziell in die Stammgruppe aufgenommen. Die Größe dieser Truppe wurde bis heute nie wieder erreicht.

Schützenfest Eslohe in den 1980er Jahren
Schützenfest Eslohe in den 1980er Jahren

Als am 29. Mai 1983 der langjährige Musiker, Ausbilder und Vorsitzende Theo Bremke sen. ganz überraschend verstarb, hinterließ das einen tiefen Einschnitt. Ihm zu Ehren rückte die Truppe noch enger zusammen und führte die Jugendarbeit in seinem Sinne weiter. Als besonders feierlicher Höhepunkt bleibt den Hengsbeckern das 70-jährige Jubiläum am 1. April 1995 in der Schützenhalle Eslohe in Erinnerung, das mit dem 25. Freundschaftstreffen „Rund um den Wilzenberg“ verbunden wurde. Dieses Treffen richten bis heute im jährlichen Wechsel die Spielmannszüge aus Altastenberg, Fleckenberg, Fredeburg, Grafschaft, Kirchrarbach, Oberkirchen, Schmallenberg und Hengsbeck aus.

Gemeinschaftsbild 1993
Gemeinschaftsbild 1993

Ins neue Jahrtausend (2001–2009)

Am 20. Mai 2001 unternahmen die aktiven Mitglieder zum ersten Mal einen großen Vereinsausflug – die Reise ging an den Ballermann auf Mallorca. Dies sollte zur Tradition werden: Alle drei bis vier Jahre wiederholen die Musiker seitdem die Tour auf die Balearen, so 2004 nach Málaga und 2007 erneut nach Mallorca. Sie fördert den Zusammenhalt ebenso wie die jährlichen Ausflüge in Freizeitparks und die Zeltlager, die die Ausbilder für die Kinder in der Ausbildung organisieren.

Nachdem der Verein zu Beginn in heimischen Wohnzimmern und später in einem Übungsraum im Keller der Grundschule Eslohe geprobt hatte, stand er 2008 vor einer wichtigen Entscheidung. Weil die Grundschule ihren Raum zunehmend selbst benötigte, stellte sich die Frage nach einem dauerhaften eigenen Probenraum. Gemeinsam mit den Einwohnern der Orte Hengsbeck und Bremscheid gründete der Spielmannszug am 9. Juli 2008 den „Verein zur Errichtung und Erhaltung eines Gemeinschafts- und Musikhauses“. Die erste Probe im neuen Probenraum fand im Herbst 2009 statt.

Das Dorfhaus

Das Dorfhaus wurde 2008/09 mit viel Eigeninitiative der Hengsbecker und Bremscheider Einwohner gebaut, im Mai 2009 konnte dort zum ersten Mal gefeiert werden. Es sollte dem Tambourkorps einen eigenen Übungsraum geben und zugleich eine Begegnungsstätte für die Bewohner beider Ortschaften sein. Bis heute ist der Verein dem Dorfhaus eng verbunden – es ist ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Menschen füreinander da sind.

Jugend, Corona und Jubiläum (2019–2025)

Die Nachwuchsarbeit ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg der vergangenen Jahre. Schon in der Vereinshymne aus den 1980er Jahren heißt es: „Vergessen wir die Jugend nicht.“ Seit 2019 hat das Tambourkorps eine eigenständige Jugendgruppe mit gewähltem Vorstand, die als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt ist. So sichert der Verein nicht nur seinen Fortbestand, sondern schafft auch eine Umgebung, in der junge Menschen Verantwortung übernehmen und Werte wie Teamgeist, Engagement und Freundschaft erleben können.

Nicht jeder Takt der Vereinsgeschichte war leicht zu spielen. Gerade die Corona-Zeit führte vor Augen, wie wichtig der persönliche Austausch und das gemeinsame Musizieren für den Verein sind. Umso schöner war es, 2023 das Freundschaftstreffen „Rund um den Wilzenberg“ in Hengsbeck ausrichten zu können. 2025 schließlich feierte der Verein sein 100-jähriges Jubiläum.

Das Tambourkorps heute

Das Tambourkorps Hengsbeck heute
Das Tambourkorps Hengsbeck heute

Heute musizieren rund 50 Musikerinnen und Musiker aktiv, darunter regelmäßig Kinder in der Ausbildung. Hinzu kommen die passiven Mitglieder sowie die Ehrenmitglieder Manfred Krämer, Dietmar Stappert und Friedhelm Heberling. Alljährlich spielt das Tambourkorps auf acht Schützenfesten im Esloher und Schmallenberger Raum und nimmt am Freundschaftstreffen „Rund um den Wilzenberg“ teil.

Aktive und Jugendgruppe heute
Aktive und Jugendgruppe heute

Der Tambourkorps Hengsbeck versteht sich als offene Gemeinschaft – als große musikalische Familie für Jung und Alt, in der Zusammenhalt großgeschrieben wird. Getragen von den beiden Säulen Musik und Kameradschaft blickt der Verein auf ein starkes Fundament zurück. Denn die nächsten 100 Jahre haben gerade erst begonnen.